supergute Naturtalente

Das Wandern ist der Forellen Lust

Foto: Rainer Kühnis
Mein Leben beginnt im klaren Bach, in dem meine Mutter zwischen Oktober und Januar ihre Eier tief im Kies vergräbt. Wenn im Frühling das Wasser wärmer wird, schlüpfe ich: winzig, lichtscheu und doch voller Energie.

Im schützenden Kiesbett wachse ich heran, bis ich stark genug bin, um mich ins offene Wasser zu wagen. Einige von uns bleibenihr Leben lang hier – das sind die Bachforellen. Andere wiederum wandern ab, um im See als Seeforelle Nahrung zu finden und zu wachsen. Nach mindestens einem Sommer kehren wir zurück – flussaufwärts, gegen die Strömung und Hindernisse hinweg – dorthin, wo alles begann. Dort pflanzen wir uns fort, und eine neue Generation entsteht.

Trotz unterschiedlicher Lebensweisen gehören wir alle zur gleichen Art, derAtlantischen Forelle (Salmo trutta). Unsere Wanderlust liegt uns zum Teil in den Genen.Doch auch die Umwelt entscheidet mit. Temperatur, Nahrungsangebot undKonkurrenz beeinflussen, welchen Weg wir wählen.

Auf unseren Wanderungen durchstreifen wir verschiedene Lebensräume, mischen Gene und erhalten so die Vielfalt und Widerstandskraft unserer Art. Doch der Weg ist gefährlich: Verbauungen, steigende Wassertemperaturen und Gewässerverschmutzungen bedrohen uns. Nur wenn Bächefliessen, Seen «atmen» und Wanderrouten offen bleiben, kann unser faszinierender Lebenszyklus fortbestehen.

Markus Stähli

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Laichwanderung und Fortpflanzung