Zweite Liebe auf dem Laufsteg
Die Lifttür öffnet sich, und die Modeshow im Triesner Hilfswerk beginnt. Zum Takt des Songs Nostalgia von Schur betritt das erste Model den Laufsteg. Die Fellmütze über den blonden Zöpfen und das perfekt kombinierte Outfit aus einzigartigen Secondhand-Kleidern stechen sofort ins Auge. Vierzehn weitere junge Models, darunter auch zwei Männer, folgen mit extravaganten Kleiderkombinationen.
Vom Kimono bis zu den Lederstiefeln
Die Second Love-Modeshow des Hilfswerks Liechtenstein findet, wieder Name schon sagt, ausschliesslich mit Kleidern aus zweiter Hand statt. Choreografin Jacqueline Beck entwirft die Show und wählt auch die Outfits selbst aus: „Während des Jahres fahre ich einmal pro Woche ins Hilfswerk und suche nach passenden Bekleidungsteilen“, erzählt sie. Mit leeren Händen geht sie nie nach Hause. „Es gibt immer etwas zu entdecken, vom Kimono bis zu den Lederstiefeln findet man viele spezielle Teile.“ Auch wenn es viel Aufwand ist, ist es eine Herzensangelegenheit für Beck.
Junge Erwachsene als Zielpublikum
Zum zweiten Mal findet die Show im Rahmen der Europäischen Nachhaltigkeitswoche statt und erweist sich erneut als voller Erfolg. Rund 300 Besucherinnen und Besucher strömen an diesem Septembernachmittag ins Hilfswerk, viele davon junge Erwachsene. Genau sie möchte das Hilfswerk erreichen, um zu zeigen, dass der Kauf von Secondhand-Mode einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leistet. Unter dem lichtdurchfluteten Dachgeschoss bilden die Zuschauerinnen und Zuschauer den Rahmen für den Laufsteg und bewundern die Outfits und die Models, die sie präsentieren.Die Musik wechselt, und die gleichen Models zeigen neue Looks: Darunter ein Hochzeitsoutfit – ein weisses gerafftes Kleid aus Seide mit passender Jacke, weissen Handschuhen und einem perlenbesetzen Netz fürs Gesicht.
Hinter der Lifttür liegt das Lager des Hilfswerks, wo sich die Models in Windeseile in ihre nächsten Outfits werfen. Mitarbeiterinnen des Hilfswerkshelfen beim schnellen Umziehen. „Die Models sind alle keine Profis – und doch verhalten sie sich wie solche“, sagt Beck stolz.
Pop-up-Store eröffnet
Als der letzte Durchgang der Modeshow endet, rollen die Mitarbeiterinnen Kleiderstangen mit Secondhand-Jacken, Pullovern und schicken Sommerkleidern auf die Laufstegfläche. Sie öffnen die Gänge zu den Regalen voller weiterer Secondhand-Schätze: Der Pop-up-Store ist eröffnet. Die Besucherinnen und Besucher, darunter viele junge Erwachsene, dürfen nun nach Herzenslust stöbern.
Sandra Rohner-Uebersax vom Hilfswerk ist vollends zufrieden: Die viele Arbeit die sie und ihr Team ehrenamtlich in die Auswahl und Herrichtung der Kleidergesteckt haben – so wird zum Beispiel jeder einzelne Reissverschluss überprüft – zahlt sich aus. Mit dem Erlös aus dem Verkauf werden wie bereits im vergangenen Jahr die Stiftung Lankahelp von Heinz und Luisa Mühlegg-Risch wie auch das Heilpädagogische Zentrum Snehalaya in Indien, das ein Projekt des Hilfswerks ist, unterstützt. Der Eventfindet im kommenden Jahr wieder statt. Das Hilfswerk schafft damit zweifachen Nutzen: Es finanziert soziale Projekte und gibt schöner Kleidung ein zweites Leben und eine zweite Liebe.