Der Wolf kann in einer Schafherde viele Tiere töten, wofür es aus ökologischer Sicht einige Erklärungen gibt. Eine liegt im Verhalten der Beutetiere. Diese wenden unterschiedliche Strategien zur Abwehr an. Die Hausschafe haben ihren natürlichen Fluchtinstinkt ihrer Vorfahren verloren und rotten sich zusammen anstatt zu fliehen. Die Wölfe nehmen diese Schafe in Panik als unnatürlich wahr, etwa mit der Gleichung, ein Beutetier, das nicht flieht, ist schwach oder krank. Damit wird das Beutefangverhalten der Wölfe immer wieder ausgelöst. Dem kann letztlich nur mit Herdenschutz begegnet werden. Der Wolf hat inzwischen sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet vielerorts wieder erreicht. Er gehört als Regulator in unsere Ökosysteme. Wir müssen uns mit ihm arrangieren. Schafhaltung auf Alpen bleibt eine grosse Herausforderung. In den wolflosen 150 Jahren verzichtete man zusehends auf eine Behirtung der Tiere. Man nahm nimmt Verluste durch Unfälle oder Krankheiten in Kauf. Die Sterblichkeit von Schafen wurde im Jahre 2023 in der Schweiz mit 48‘000 Tieren beziffert, im 2024 gar gegen 57‘000. Rund 4‘000 von ihnen kommen bei der Schafalpung durch Abstürze, Blitz- und Steinschlag, Stacheldraht, Krankheiten zu Tode oder sind verloren gegangene Tiere. Die Schafrisse machten im letzten Jahrzehnt jährlich zwischen 100-500 Tiere aus, Tendenz sinkend, wobei 80% der Tiere unbeaufsichtigt waren.
Diese helvetisch eingebürgerte Schafhaltung ohne Behirtung wird sich nicht mehr ausgehen. Es braucht Behirtung, Schutzhunde, Zäune sowie Pferche. Alle weiteren Gegenden mit Wolf und Schafhaltung in Italien, Spanien, Balkan mit Karpaten oder Kaukasus machen es uns vor. Die Leistungen hierfür werden grösstenteils abgegolten, wie überhaupt grossmehrheitlich die ganze Alpwirtschaft vom Steuerzahler berappt wird. Im Jahre 2024 haben sich zudem auf 40 Alpen 676 Personen mit 60‘000 Stunden ehrenamtlich für diesen Herdenschutz eingesetzt.
Es gilt, sich mit dem Wolfsmanagement aus wildbiologischer Sicht auseinanderzusetzen. Bis jetzt wurde darauf keine Rücksicht genommen und kontraproduktiv gehandelt, die Politik hatte das Zepter des Handelns allein übernommen. Mit der dadurch verursachten Auflösung von Rudeln hat sie innerhalb der Wolfgilde asoziales Verhalten gefördert, es droht die Gefahr von einzelnen wandernden „Flegelwölfen“, was im Rudelverband so nicht stattfinden würde. Es braucht ein wildbiologisch abgestütztes Wolfsmanagement, das durchaus auch das Entfernen von Tieren erlaubt.
Nun wurde in Holland bei Utrecht ein Mädchen von einem Wolf gebissen, was als Nachricht rund um den Globus ging. Es soll die Gefährlichkeit von Wölfen beweisen und schürt die Angst vor dem Wolf. Es fehlen hier zur Beurteilung des Vorfalles die Begleitumstände. Das Kind soll verschleppt worden sein, heisst es. Eines ist klar: wollte der Wolf ein Kind töten, so wäre dies auch geschehen. Warum aber verschleppen, wir wissen es nicht. Wir wissen, dass Wölfe ihre Jungen herumtragen. Ob das in Richtung Adoption ging? Das Kind soll schwer durch Bisse verletzt worden sein. Andererseits steht, dass es umgehend wieder aus dem Spital entlassen worden sei. Der gleiche Wolf soll sich bereits vorher auffällig verhalten und gefüttert worden sein. Der Abschuss dieses Exemplares ist wohl gerechtfertigt und das wird auch von den dem Wolf wohlmeinenden Kreisen akzeptiert. Es braucht noch viel Kommunikation und Dialog für Wölfe, Bären und Luchse als Regulatoren im Naturhaushalt, um einen Modus vivendi zu finden. Es stellen sich hier sehr grundsätzliche Fragen. Akzeptieren wir nur „Natur à la carte“ wie es uns gerade entspricht und wir definieren, wo welche Arten sein dürfen und welche nicht? So geschehen in Deutschland mit den rotwildfreien Zonen! Oder geben wir der Natur auch die Chance, einfach sich selbst zu sein, mit allem was dazugehört, also den Regulatoren und den grossen Grasfressern.
Dieses Sommerloch des Jahres 2025 wird ergänzend auch mit Schlangengeschichten gefüllt. Im Urlaubsparadies Ibiza und Formentera auf den Balearen geht es um invasive Hufeisennattern, die es dort vorher nicht gab, wobei die Art ungiftig ist, aber gross wird.
Grosse Schlangen braucht es allerdings nicht für die mediale Beachtung. Es ist von der Wiederentdeckung der kleinsten Schlange der Welt in der Karibik die Rede. Auch die giftigsten ihrer Art werden in Ranglisten dargestellt (Alles, was schlängelt: Die tödlichsten Schlangen der Welt). Bereits eine – ungiftige – Ringelnatter von etwas über einem Meter Länge, festgestellt in einer Garage, löst in unseren Breiten Entsetzen aus und kommt als google-Meldung daher. Man verlangt nach der Feuerwehr. Diese Woche geisterte zudem der giftige kleine Ölkäfer in den Medien herum, dessen abgegebene kleine Tropfen bei uns eine Hautreizung auslösen kann.
Der Sommer ist noch nicht vorbei, wir warten geduldig auf weitere Schreckensmeldungen aus der Tierwelt.
Autor: Mario Broggi, 10. August 2025.