Warum machen kleine Windkraftanlagen in Liechtenstein keinen Sinn?
Kleinstwindkraftanlagen haben aufgrund der geringen Windgeschwindigkeiten in tiefen Lagen kein Potenzial. Mittelgrosse Windkraftanlagen sind aufgrund des grossen Platzbedarfs in Liechtenstein nicht sinnvoll. Um die gleiche Leistung einer grossen Windenergieanlage abzudecken, müsste ein ganzer «Wald», nämlich 75 Stück, mittelgrosser Windenergieanlagen mit 80kW erstellt werden.
Wo sehen Sie derzeit die wirksamsten Hebel für Privathaushalte in Liechtenstein, um mit wenig finanziellen Mitteln den Energieverbrauch spürbar zu senken?
Durch konsequentes Ausschalten von Geräten mit Standby-Verbrauch lässt sich bereits viel erreichen. Eine Reduktion der Raumtemperatur um ein Grad Celsius spart etwa sieben Prozent Heizenergie. Duschen mit Wassersparbrausen statt Baden senkt den Warmwasserverbrauch und damit die Heizkosten erheblich. Ferienliegenschaften können zudem mit einer Heizungsfernsteuerung geregelt werden. Der Einbau wird vom Land Liechtenstein mit bis zu 1’000 Franken gefördert und kann den Heizenergieverbrauch sogar halbieren.
Balkonsolaranlagen im Alltag: Wie beurteilen Sie deren Nutzen, Wirtschaftlichkeit und Beitrag zur Stromversorgung eines Haushalts?
Das Fassadenbild eines Mehrfamilienhauses mit vielen unterschiedlichen Balkonsolaranlagen erachte ich als schwierig. Zudem sind es sehr kleine Leistungen und damit auch kleine Energiemengen, die produziert werden. Der produzierte Strom muss auch direkt genutzt werden können, da eine Netzeinspeisung meist nicht möglich ist. Ich empfehle bei einem Stockwerkeigentum die Lösung in einer grossen gemeinschaftlichen Anlage zu suchen. Wenn man zur Miete wohnt, dann ist es sinnvoller in eine genossenschaftliche Anlage zu investieren. Hier gibt es von der Solargenossenschaft Liechtenstein und von den Liechtensteinischen Kraftwerken bereits umgesetzte Projekte. Bei entsprechender Nachfrage werden hier sicherlich noch weitere Anlagen hinzukommen.
Welche Irrtümer oder Fehlannahmen begegnen Ihnen besonders häufig?
Oft werden bei der Umsetzung einer Massnahme nur die Investitionskosten betrachtet. Es fehlt eine ganzheitliche Betrachtung, welche Energie-, Betriebs- und auch Umweltkosten mitberücksichtigt. Durch die grosszügigen Förderungen und die günstigen Energiekosten sind ökologische Lösungen über die gesamte Lebensdauer meist deutlich wirtschaftlicher als nicht erneuerbare oder energieintensive Alternativen. Auch Umweltkosten werden oft vergessen. Die Folgen von Klimaerwärmung und Umweltverschmutzung, etwa Überschwemmungen, Erdrutsche oder Gesundheitskosten durch Atemwegserkrankungen, sind enorm. Da wir diese Kosten meist indirekt über Versicherungen oder Abgaben bezahlen, werden sie im Alltag vergessen. Würde man beim Verkauf einer Ölheizung noch 5’000 Franken für die Umwelt in Rechnung stellen, würde dies viel kostenintensiver wahrgenommen werden als zum Beispiel die CO2-Abgaben, welche wir dann jedes Jahr bei der Zahlung der Heizölrechnung mit berappen.